Die Qualität der Farbe

Ich durfte heute ein sehr interessantes Seminar über die Farbgenetik der Meerschweinchen besuchen. Das Wissen über die genetischen Zusammenhänge bei Verpaarungen ist in der Meerschweinchenzucht ein beliebtes Thema für hitzige Disskussionen.

Wenn man die Idee hat mit dem züchten zu beginnen, versteht man vermutlich zuerst nicht, warum den erfahrenen Züchtern die Genetik dermaßen wichtig ist. Beschäftigt man sich allerdings bereits schon etwas länger damit kommt man sicherleich zur Einsicht, dass die „Buchstabensuppe“ durchaus sehr nützlich sein kann, wenn man sie erst einmal zu deuten verstanden hat.

Ich hatte bereits den einen und anderen Wurf und fand meine Tiere schön – die Farben und die Köpfe waren schon recht passabel. Mein nächster Schritt war die Teilnahme an einer Tischschau um zu sehen was die Experten sagen. „Das Rot ist zu hell“ hieß es unter anderem.

Nun gut. Man könnte argumentieren, ist ja nur ein Meerschweinchen, ist mir egal welche Farbe es hat, hauptsache es ist gesund. Manche Menschen fahren ja auch einen Fiat Multipla vermutlich ist denen auch egal welche Farbe der hat. Sorry, der gefällt mir einfach nicht, aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Warum das alles? Es geht um die Qualität um die Reproduzierbarkeit und um die Differenzierbarkeit der Farbe. Mit jeder Verpaarung arbeiten wir daran die Qualität der Farbe zu verbessern, es muss eine Farbe sein die auch mit anderen Verpaarungen wieder hervorgebracht werden kann und sie muss sich gut von anderen Farben unterscheiden lassen. Nur wenn das alles gegeben ist wird sie auch so anerkannt im Standard.

Je langweiliger sich ein Stammbaum ließt, desto besser ist die Farbgenetische-Abstammung. Je bunter er ist desto unliebsamer werden die Tiere für die Zucht eingesetzt. Mit jedem rezensieven Gen das nicht zum Zuchtziel passt und über Verpaarungen in die eigene Linie hineingezogen wird potenzieren sich die daraus entstehenden Tiere die dann direkt in Liebhaber Hände wandern werden. Das ist natürlich in erster Linie nichts schlechtes. In weiterer Folge bedeutet es, dass jeder „Tierproduzent“ auch die Verantwortung auf sich nehmen muss sicherzustellen, dass jedes Lebewesen einen Artgerechten Endplatz erhält.

Neben der ganzen Theorie gab es auch ein paar Ahas zur Historie des Deutschen Standards – z.B. warum die Farben nun anders heißen. Vergleiche zum Englischen Standard. Umgangsformen der Ruhrpottler – ganz sympatische Menschen. Besonders Wertvoll und vermutlich aus keinem Buch nachvollziehbar zu erlernen sind die Erfahrungswerte der langjährigen Züchter.

In der bunten Runde von 20 Menschen waren alle Willkommen, alte Hasen mit Dienstjahren die nicht mehr an den Händen abzuzählen sind Junge im doppelten Sinne – altersmäßig und in ihrer Züchtertätigkeit – und sogar Meerschweinchenfreunde aus den Nachbarländern Italien und Österreich. Vielen Dank Andreas Reinert dass du dieses Thema erarbeitet hast und regelmäßig durchs Land fährst um alle daran teilhaben zu lassen. An dieser Stelle möchte ich auch noch das Buch „Meerschweinchen Haltung – Zucht – Ausstellung“ von Andreas Reinert erwähnen in dem die Farbgenetik und mehr zum nachlesen zu finden ist.