Die sogenannte „Rappelphase“ bei Meerschweinchen ist vergleichbar mit der menschlichen Pubertät. Es ist die Zeit, in der die Tiere ihre Hormone neu sortieren und ihre Position in der Rangordnung (neu) festlegen.
Hier sind die wichtigsten Eckdaten:
Wann findet die Rappelphase statt?
Es gibt meist nicht die eine Phase, sondern oft zwei Hauptzeiten:
- Erste Phase (Vorpubertät): Mit etwa 8 bis 16 Wochen (ca. 2 bis 4 Monate). Hier testen die Jungtiere zum ersten Mal ihre Grenzen.
- Zweite Phase (Hauptpubertät): Mit etwa 6 bis 9 Monaten. Diese Phase ist oft deutlich intensiver, besonders bei Böckchen, da sie nun geschlechtsreif sind und um die Vorherrschaft kämpfen.
Manche Meerschweinchen haben noch eine dritte, kleinere Phase um den 15. Lebensmonat herum.
Was passiert in dieser Zeit?
Du wirst wahrscheinlich folgende Verhaltensweisen beobachten:
- Dominanzgehabe: Aufreiten, lautes Zähneklappern, Brummen und Imponiergehabe.
- Rangeleien: Jagereien im Gehege.
- Unruhe: Die Gruppe wirkt gestresster oder aktiver als sonst.
Was kannst du tun?
- Geduld haben: Solange kein Blut fließt und sich die Tiere nicht ernsthaft verletzen, nicht trennen. Wenn du sie trennst, fängt der Kampf um die Rangordnung später wieder von vorne an.
- Platz bieten: Sorge für ein ausreichend großes Gehege, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen können.
- Abwechslung: Biete Beschäftigungsmöglichkeiten an, um Energie umzuleiten.
Wichtiger Hinweis: Bei Böckchengruppen ist diese Phase besonders intensiv. Eine Kastration kann helfen, die Hormone zu beruhigen, beseitigt aber nicht das natürliche Bedürfnis, die Rangordnung zu klären.
Während der Rappelphase ist es extrem wichtig, dass die Meerschweinchen nicht in die Enge getrieben werden. Wenn sie sich nicht ausweichen können, entstehen Konflikte.
Hier sind die besten Tipps für die Gehegegestaltung:
1. Ausweichmöglichkeiten und Sackgassen vermeiden
- Häuser mit zwei Ausgängen: Das ist das Wichtigste! Ein Meerschweinchen darf nicht in einer Ecke oder einem Haus eingesperrt werden, wenn ein anderes stichelt.
- Keine Sackgassen: Richte das Gehege so ein, dass der Weg immer weitergeht.
2. Mehrere Futterstellen
- Wenn es nur einen Heuplatz oder eine Futterraufe gibt, wird dieser Platz von dem dominanten Tier verteidigt.
- Lösung: Verteile Heu, Gemüse und Wasserstellen an verschiedenen Enden des Geheges. So können alle fressen, ohne sich direkt zu begegnen.
3. Rückzugsorte auf verschiedenen Ebenen
- Nutze Etagen, Korkröhren oder Unterstände.
- Wenn ein Tier sich oben auf eine Etage flüchtet, sollte das andere Tier nicht sofort hinterherklettern können.
4. Beschäftigung gegen Langeweile
- Langeweile fördert Streit. Biete Intelligenzspielzeug an (wo sie sich ihr Futter erarbeiten müssen), verstreue Trockenkräuter im Gehege oder hänge Gemüse auf, damit sie sich lang machen müssen, um ranzukommen.
Tipp: Wenn die Stimmung extrem aufgeheizt ist, hilft oft ein großer Auslauf in einem neuen Gebiet oder ein komplett frisches Gehege (neu umgestellt und gereinigt), um die Karten neu zu mischen.